23. September 2026
Ausgabe #128 Alles, was ihr nie über Musik wissen wolltet von Melanie Gollin und Rosalie Ernst. Das hier ist euer Musikmagazin fürs Mailfach, alle 14 Tage zwischen zwei und vier Themen. mehr erfahren
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Heute: Endlich wieder ein Schlager Update! Dazu eine Idee für eine äußerst coole analoge Aktion, mit der Musiker*innen ihre Musik bewerben könnten. Und: Ikan Hyu erzählen uns alles über ihre Fischhüte und warum sie als Band auch für kleine Venues ein aufwendiges Bühnenbild basteln.
An dieser Stelle begrüßen wir unsere neuen Unterstützer*innen Valerie, Anke, Andy und Johannes. Mit euch ist immer Altweibersommer.
Komm auch du in unsere Community! Mach unsere Arbeit langfristig möglich, sichere Medienvielfalt und hilf uns dabei, der Musikbranche ans Bein zu pinkeln! Aktuell sind wir 135 Leute bei Steady. Unser Ziel für 2026 sind 222 Mitglieder. Diese Zahl ergibt sich übrigens nicht aus ihrer Ansehnlichkeit, sondern aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Wir können ZWISCHEN ZWEI UND VIER nur weitermachen, wenn wir uns die Zeit, die dieses Projekt benötigt, leisten können.
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ZWISCHEN ZWEI UND VIER gibt's auch als Podcast.
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In der aktuellen Folge: Vorbands kennt man ja. Aber in der Geschichte der Popmusik gab es neben musikalischen Supportacts auch einige unerwartete Programmeröffnungen. Wir präsentieren euch eine lange Liste von Street Art bis Zirkus. Und wir schauen uns das "Licht anlassen" als Symbol in Songlyrics an und streiten uns dabei über Revolverheld.
Überall, wo ihr Podcasts hört.
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Es ist mal wieder Zeit für die neuesten Kuriositäten aus dem Schlagerkosmos. Ich weiß, ihr habt drauf gewartet. – Melanie
Fünf Songs aus den 60-80er Jahren, die gemeinhin als Schlager gelten, wurden für diese Beiträge von Ralf bei der Kellen unter die Lupe genommen. Es handelt sich um Lieder, die ungewöhnlich politisch oder bissig für das Genre sind. Da geht's von Caterina Valente über Udo Jürgens zu Manfred Krug. Und ich durfte in dieser kleinen Reihe vom Deutschlandfunk Kultur als Expertin meinen Senf dazugeben! Auffällig: In meinen Augen ist kein Song, der hier besprochen wird, ein Schlager. Das ist Funk, Beat, Country. Aber Deutschland hat(te?) so eine Angst vor der eigenen Sprache, dass alles, was bis zur Neuen Deutschen Welle deutsch gesungen wurde, automatisch als Schlager galt. Es hat mir eine diebische Freude gemacht, hier mitzukommentieren und es gibt keine Punkte fürs Raten, welcher Teil mein liebster ist (natürlich Teil 5, dicht gefolgt von Teil 1).
Ist das Ballermann-Feminismus? Wann Blond feat. Isi Glück? Und hört ihr auch Avril Lavigne raus?
Pia-Sophie promotet Single mit Playboy (oder andersrum) Hier lässt sich prima die alte Debatte über Selbstbestimmung und Schönheitsideale durchexerzieren: Schlagersängerin Pia-Sophie veröffentlicht eine Single namens "Wenn das zu viel ist", in der es um Selbstakzeptanz nach langem Hadern mit sich selbst geht. Gleichzeitig kündigt sie ihr Playboy-Cover an und erzählt auch das als Akt der Selbstermächtigung, bei dem sie endlich mit ihrem Körper Frieden schließt. Das freut mich für sie und ich möchte nicht infrage stellen, dass auch Frauen mit einem überaus normschönen Körper unter den gesellschaftlichen Vorstellungen leiden. Eine interessante Promoaktion bleibt es allemal. Der Playboy auf Seite der geschundenen Frauen wäre mir dann doch neu, zumal leider auch dieses Shooting very male gazey ist.
Nach 31 Jahren wurde Immer Wieder Sonntags, die sonntagvormittägliche Schlagershow mit Stefan Mross, abgesetzt. Das scheint überraschend, denn die Quoten waren sehr stabil. Auch hierzu durfte ich bei Deutschlandfunk Kultur eine Einschätzung abgeben (hören). Vier Seiten Notizen hatte ich vorbereitet, die in den wenigen Minuten On Air natürlich nicht komplett Platz hatten. Deswegen hier noch ein paar zusätzliche Gedanken zum Thema, die ich im Radio nicht unterbringen konnte: Wie wichtig ist das Medium Fernsehen für die Schlagerbranche?
Nach wie vor sehr wichtig, aber nicht mehr allein bestimmend. Es ist wie überall sonst: Fans erleben Schlager heute sowohl klassisch vor dem Fernseher als auch über Social Media. Formate wie Immer Wieder Sonntags, Schlagerboom oder Die Giovanni Zarrella Show bieten durch Liveauftritten vor Millionenpublikum eine direkte Reichweite in die Kernzielgruppe. Für etablierte Künstler*innen ist TV-Präsenz immer noch ein Statussymbol und Karriereanker. Aber Schlager findet heute genauso auf YouTube, Instagram, TikTok statt wie Pop oder Rock. TV-Auftritte bleiben relevant für Reichweite und Legitimation bei der klassischen Kernzielgruppe, und für den Aufbau von Bekanntheit und Vertrauen. Sie sind enorm prestigeträchtig. Und das nicht nur auf der Bühne, sondern auch dahinter. So ein Auftritt bei Stefan Mross oder Florian Silbereisen bietet natürlich viele Möglichkeiten, um geschäftliche Kontakte zu knüpfen.
Die Schlager-Branche ist in der Übergangsphase und hatte dafür dank Fernsehen mehr Zeit als zum Beispiel Pop, für den es früher solche Sendungen ja auch gab (The Dome, BRAVO Super Show), die sind aber schon länger weg. Es wird spannend, ob der Rückzug der Öffentlich-Rechtlichen aus dem linearen Schlager-TV den endgültigen Umbruch zum digitalen Schlager beschleunigt.
Boom gerade bei jüngeren Leuten: Warum ist Schlager aktuell so beliebt?
Einerseits wegen der digitalen Beschleunigung – jüngere Leute bekommen ihn über Social Media stärker mit. Es liegt aber auch am Sound: der ist mittlerweile extrem nah am Pop, aber mit weniger komplexen Themen im Text. Schlager bietet Ablenkung und Hoffnung und ein großes Versprechen auf Gemeinschaftserlebnisse. Es ist ein extrem niedrigschwelliges, kollektives Mitsing- und Feiererlebnis in einer Zeit, in der unironische, analoge Momente wieder wichtiger werden.
Der Schlager-Boom bei Jüngeren speist sich weniger aus dem klassischen TV-Schlager und der Volksmusik à la Immer Wieder Sonntags, sondern vor allem aus dem Partyschlager und der Pop-Schlager-Fusion. Beides Entwicklungen, die eher auf Festivals, in sozialen Medien und in der Clubkultur stattfinden als im Sonntagvormittagsprogramm der ARD. Das erklärt auch, warum ausgerechnet das traditionelle, ältere Publikumsformat eingestellt wird, während Formate wie die Zarrella-Show mit ihrer Genre-Öffnung wachsen.
Nach "Liebe vergeht, Hektar besteht" erklärt uns Lena hier erneut traditionell-bäuerliche Heiratspolitik. Das ist praktisch, da lernt man beim Mitsingen direkt noch was (zum Beispiel, dass sich 'Hof' auf 'doof' reimt). Gemanagt wird die Schweizerin übrigens von Vincent Gross. Mit dem hab ich ja auch ein Ding zu laufen…
Für immer Italien Im Juli haben wir im Podcast ausführlich über die Faszination der Deutschen mit fake-italienischen Songs gesprochen. Also deutsche Songs für ein deutsches Publikum, die Klischees und italienische Schlagwörter nutzen, um ein bestimmtes Lebensgefühl rüberzubringen. Als hätte die Schlagerbranche uns zugehört, sind in diesem Sommer noch mal extra viele neue Titel mit Pizzapastaamore erschienen:
(Das sind nur die, die zwischen Mai 2026 und jetzt erschienen und mir bekannt sind.)
Habt ihr Beobachtungen in der Schlagerwelt gemacht? Let me know!
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Vier Discmans und vier Laternenpfähle: das war die Promoaktion des britischen Musikers NODAWAY zu seinem neuen Album. Nachmachen! – Melanie
Was ihr braucht:
So geht's: CDs mit eurer Musik brennen, in den Discman legen Discman in eine durchsichtige Plastiktüte (wegen Regen), und das Konstrukt an einen prominent platzierten Laternenmast binden, sodass die Kopfhörer genutzt und die Knöpfe des Discman gut bedient werden können QR-Code oder kleine Flyer dazu (zum Konzert, zu euren Socials, zur Musik)
Und dann warten.
Leute, die so mit eurer Musik interagieren, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit reinhören, als wenn sie eure Anzeige auf Social Media sehen. Und es fühlt sich für euch eher so an, als hättet ihr was gemacht, das ist bei diesem ganzen digitalen Kram ja selten der Fall.
Wie viele Leute kann man so erreichen? Natürlich weniger als im Internet, schon wegen der Batteriedauer. Aber die Kontakte sind so viel intensiver. (Und der Content, den ihr daraus machen könnt, ist ja nochmal 'ne ganz andere Sache...)
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Als ich Ikan Hyu, ein blitzendes Alt-Rock-Duo aus der Schweiz, vor zwei Jahren im übersichtlichen Berliner Badehaus sah, war ich komplett überrascht. Nicht nur von ihrer fetzigen Performance, sondern auch von ihrem Bühnen-Setup: Habt ihr schon mal 'ne komplett auf die Musik abgestimmte Lichtshow mit einzelnen LEDs, wandelbaren Backdrops und Outfitwechseln (ich sage nur: leuchtende Fischhüte!!!!!) in einer klitzekleinen 500er-Venue erlebt? Für Ikan Hyu ist das wohl der beeindruckend hohe Standard, den sie an ihre Shows haben. Zu ihrem neuen Album WITHDRAWAL SYMPTOMS wird es wieder eine Tour geben und auf Insta seh ich schon seit Wochen, wie Anisa Djojoatmodjo und Hannah Bissegger über neuen DIYs brüten. Ein Glück durfte ich sie schon vor der Tour über ihre Bastelleidenschaft ausfragen. – Rosalie
Wenn das Schweizer Duo Ikan Hyu (indonesisch für Hai) auf Tour geht, ist es egal, wo sie landen, ihr DIY-Gestaltungsdrang kommt mit. In ihrer frickeligen Rockmusik mit Unterwassersymbolismus-Faible ist der bastlerische Drang sowieso spürbar. Richtig wichtig wird er, wenn sie die ziemlich dichten Songs auf die Bühne bringen wollen – ohne Band und ohne Backingtracks ist Kreativität nämlich zwingend nötig. Ihr DIY-Trieb fängt also mit pragmatischen Vorrichtungen an, die all ihre Synths, Midis, Drums und Gitarren zusammenhalten und so arrangieren, dass sie zu zweit ihre sechs Instrumente gleichzeitig spielen können. Damit das Techniksammelsurium in der Bühnenmitte trotzdem ansehnlich ist, gibt's bunte, selbstgemachte Kabel, klar. Das wortwörtliche Highlight ihres Bühnensets sind aber die Lampen: eine lange Zickzack-LED, mehrere leuchtende Dreiecksumrisse in verschiedenen Höhen. Links und rechts werden die beiden bei ihren Shows von zwei sehr großen flossenartigen Lichtkonstrukten gerahmt. Alle Lichter lassen sich einzeln ansteuern und ergänzen die musikalische Show – und das auch auf der kleinsten Clubbühne. Auch die Backdrops werden selbst entwickelt, sind teilweise modular und verändern sich während des Konzerts. Und natürlich sind die Hintergründe immer passend zu den jeweiligen Plattencovern, die Hannah (ihr ahnt es) selber zeichnet. Ich hab schon diverse Shows in der Columbiahalle gesehen, bei denen es nicht ansatzweise so viel visuelle Action gab!
Ich war auf eurer letzten Tour super beeindruckt von eurem Bühnensetting. Das kennt man von Künstler*innen und Bühnen in dieser Größe eigentlich nicht. Wann habt ihr damit angefangen, die Bühne zu inszenieren?
Hannah: 2017 war das, da haben wir die Lampen, die es immer noch gibt, designt, selbstgemacht und später kamen die Flossen. Die haben wir bestellt und als ich die abgeholt habe, saß ich erstmal weinend im Auto, weil die etwas größer waren, als ich gedacht hatte. Da hatte ich Angst, dass wir die nie mitnehmen können. Beim ersten Konzert war das aber kein Problem. Und dann haben wir irgendwann einen Lichttechniker [Jan Haumbel] gefunden, der mit uns auf Tour kommt, und seitdem ist eigentlich immer alles dabei und er ist auch für jeden Scheiß zu haben.
Heißt, er kommt immer mit auf Tour und konzipiert mit euch direkt auch das Bühnenbild?
H: Ja, und er macht auch live Licht. Das ist ja heutzutage auch nicht selbstverständlich, weil so viel mit Timecodes geschieht. Aber weil wir keine Backingtracks benutzen, muss er alles mitmachen. A: Ja, das ist manchmal ganz lustig, wenn nach dem Konzert Menschen zu uns kommen. Dann nehmen sie an, dass alles gecodet ist. Und wir erklären stolz, dass er die ganze Show mitfährt. Aber er ist mittlerweile schon so lange mit uns dabei, sodass es für manche so aussieht, als ob es gecodet ist.
Wie entwickelt ihr das jetzt weiter? Wie geht ihr an neue Konzepte ran?
A: Ich würde nicht sagen, wir haben ein neues Bühnenkonzept für das Album, sondern eher, dass da eine neue Leuchte, ein neuer Backdrop hinzukommt. Und viel ist es so, dass wir Ideen zusammen entwickeln und Hannah setzt sie dann visuell um – meistens zumindest. H: Wenn's um Lampen und Backdrops geht, ja. Aber wenn's um Kostüme geht, kommen nochmal andere Menschen dazu. Es ist schon oft so, dass Anisa wieder 'ne verrückte Idee bringt, und ich denk mir 'Oh nein, es ist voll gut, aber wie??' und dann klappt's doch immer irgendwie. A: Ja, ich muss mich manchmal auch ein bisschen zurückhalten, dass ich nicht jede Idee ausspreche und den richtigen Zeitpunkt abpasse und spüre, wie viel Platz Hannah in ihrem Kopf jetzt gerade hat.
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"Es ist schon oft so, dass Anisa wieder 'ne verrückte Idee bringt, und ich denk mir 'Oh nein, es ist voll gut, aber wie??' und dann klappt's doch immer irgendwie."
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Und dann gehst du direkt in die Umsetzung, Hannah?
H: Ja. Für die OASIS-Tour [zum Debütalbum OASIS] hatten wir einen Backdrop mit den zwei Augen, aus denen ein Wasserfall kam, so wie auf dem Albumcover. Dann habe ich konzipiert, dass wir die einzelnen Augen aufhängen können, ich musste mit Zeltstangen arbeiten, damit es hält. Dazu kamen noch Magnete, mit denen wir die Wasserfälle anbringen konnten. Auf dem Backdrop steht in der Mitte der Bandname 'Ikan Hyu', links und rechts davon sind gezeichnete Portraits der beiden. Über die Portraits kann man die Augen clippen, sodass der Schriftzug davon gerahmt wird. Weil auf dem Plattencover von OASIS vier verschiedene Augen mit unterschiedlichem Wasserstand sind, gibt es auch eine Vorrichtung, um den Wasserfall des weinenden Auges ebenfalls auf der Bühne zu ergänzen.
H: Für diese Tour nehmen wir uns das "Flying Fish"-Cover vor: Da gibt es indonesische Batikwolken [Wolkenzeichnungen mit starken Kringeln] und die haben wir jetzt auch als Neonsigns gebaut.
Und die hast du selbst gemacht oder nochmal bestellt?
H: Nee, ab jetzt wird wirklich immer alles selber gemacht, weil dann ist es eben so, wie man's sich vorstellt. Ich habe die Form gezeichnet, dann 3D-gedruckt, und dort hinein kann man die LED reinlegen. Anisa zeigt ihren Arm. Darauf eine kleine Wolke mit Schnörkeln. H: Ja, ich hab Anisa auch das Tattoo gestochen. A: Die Wolke ist jetzt überall. Auf meinem Arm, auf der Bühne, auf dem Cover.
Kommt sie auch noch ins Kostüm?
A: Vielleicht. Ach, die Idee hab ich dir noch gar nicht erzählt, Hannah. Aber wir müssen uns gerade erstmal noch die Songs draufschaffen, und dann schauen wir mal, was noch alles passiert.
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"Wenn ich ein Outfit sehe oder eine aufregende Farbe, dann will ich das am liebsten essen. "
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Bei euren Kostümen sind eure Fischmützen ja eh eines der Highlights! Zu manchen Songs tragt ihr Anglerfischhauben auf dem Kopf. Wie kam es dazu?
A: Meine Schwester näht uns die meisten Outfits. Und irgendwann haben wir uns das gewünscht und sie hat's einfach gemacht. Plötzlich kam sie mit den Anglerfischmützen. Die ersten waren silbrige, das war 2019, und für die CATCH ME IF YOU CAN-EP war Grün eine prominente Farbe, da kam sie dann mit einem großen Paket und hat mich mit grünen Fischhüten überrascht. H: Die sahen genauso aus wie auf dem EP-Cover. Die hatte ich ja einfach gezeichnet und gar nicht überlegt, wie das realistisch umzusetzen wäre. Und da hat sie angefangen: die Fisch-Hat-Madness. A: Jetzt haben wir zu jeder Platte neue Fischhüte und für diesen Zyklus so durchsichtige mit Rüschen. Wenn man die aufhat, sieht man ein bisschen aus wie so ein Baby.
Die offensichtliche Frage ist natürlich: Wie finanziert ihr das alles?
A: Also ohne Förderung könnten wir das so nie machen. Wir haben auch das Privileg, in der Schweiz zu leben und auch nur als Duo auf der Bühne zu sein. Aber es ist auch so, dass wir nicht wissen, ob's in einem Jahr noch funktioniert. Diese Unsicherheit haben wir immer und gleichzeitig habe ich persönlich so ein Grundvertrauen– manche mögen es Grundnaivität nennen – dass ich mir in dieser Hinsicht keine Sorgen mache. Ich glaube, sonst könnte ich das Risiko nicht aushalten. Aber bis jetzt hat's auf diesem Weg funktioniert.
Wie sehr gehört es für euch dazu, dass ihr das alles zusätzlich zur Musik macht?
A: Für mich gehört das absolut fest dazu. Wir beide sind sehr visuelle Menschen. Wenn ich ein Outfit sehe oder eine aufregende Farbe, dann will ich das am liebsten essen. Das ist im ganzen Körper spürbar. Wir lieben es, Sachen zu erschaffen – auf allen verschiedenen Ebenen. Und es macht auch einfach sehr viel Spaß und Ikan Hyu war schon immer ein ganzes Universum drumherum und nie nur die Musik. H: Es ist auch der schöne Part, nicht nur Musikerin zu sein. Es gehört so viel zu Musik mit dazu und das Kostüme ausdenken, Bühnen gestalten, Farben auswählen ist der spaßige Teil. Den Büro- und Orgateil könnte man weglassen. Das ist also ein Ausgleich.
Würdet ihr, wenn das Projekt weiter wächst, in Erwägung ziehen, die DIY-Sachen auszulagern?
H: Die Frage ist ja, was heißt 'Wachstum' überhaupt? Es kann auch bedeuten, dass wir noch mehr selber machen. Weil wir mehr Zeit dafür hätten, weil wir anderes abgeben können. Aber es ist schon schwer, Dinge aus der Hand zu geben, weil das so ein großer Teil unserer Identität ist und ich denke, egal, wie groß wir werden, dieser Stil wird immer bei uns bleiben. A: Der kreative Teil wird immer bei uns bleiben. Aber vielleicht kann man die Abwicklung manchmal auslagern. Zum Beispiel beim Merchandise: Am Anfang haben wir noch alles selber gesiebdruckt. Das haben wir mittlerweile ausgelagert. H: Vor vier Jahren hätte ich das aber noch nicht auslagern können, weil es niemanden gab, dem ich das anvertraut hätte. Jetzt haben wir Personen, die verstehen, wie wir Dinge wollen. Es ist also eher ein wachsender Ikan-Kosmos.
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"Diese Unsicherheit haben wir immer und gleichzeitig habe ich persönlich so ein Grundvertrauen – manche mögen es Grundnaivität nennen."
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Müsst ihr diese DIY-Mentalität manchmal verteidigen? In der kapitalistischen Welt lernen wir ja früh, dass Effizienz an höchster Stelle steht.
A: Ich glaube, es gibt uns einfach so viel, das alles zu erschaffen und selbst zu machen. Wir brauchen das einfach und machen dann auch immer mehr. Worauf ich mich richtig freu: Wir haben ja zehnjähriges Jubiläum und dazu machen wir ein Zine. Dafür fragen wir Leute in unserer Community, ob sie eine Seite gestalten, dann kommt das alles zu mir und ich layoute und gestalte das, und wir nehmen das dann zu den Gigs mit und verteilen das umsonst auf den Konzerten. Solche Sachen machen einfach happy! Und unsere Community hat da auch Lust drauf, sowas zu machen und zu erleben.
Das Basteln hört ja gar nicht auf. Ich hab gehört, dass ihr sogar Instrumente bastelt?! Wie kann ich mir das vorstellen.
H: Es ist mehr wie ein Puzzle. Wie kann man etwas gestalten, damit wir zu zweit unsere Musik ohne Backingtracks und ohne Band auf die Bühne bringen? Da müssen wir zwangsläufig basteln. Denn Anisa spielt ja Gitarre und Synthbass gleichzeitig und da habe ich eine Konstruktion gemacht, dass beides zusammenhängend ist. A: Gleichzeitig ist diese Limitierung, dass wir zu zweit sind und keine Backing-Tracks haben wollen, eine richtige Herausforderung. Und dann müssen wir irgendwie einen kreativen, praktikablen Weg finden, das auf Hann'sche Weise zu lösen. [Hannah lacht] Das macht aber immer Spaß und am Ende stellen wir fest: Es ist immer möglich. H: Viele Menschen, die zu professionell in ihrem Job sind, sagen gleich: Das haut nicht hin, weil das nicht der professionelle Weg ist. Aber wir probieren einfach alles und am Ende haut's immer hin.
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Danke, dass ihr den ganzen Text gelesen habt! Ihr verdient euren eigenen Fischhut. Auch wir machen bei ZWISCHEN ZWEI UND VIER alles komplett selbst. Das geht nur mit einer starken Community (das seid ihr). Wir würden uns freuen, wenn ihr auf diesen Link klickt und euch dort mal umschaut.
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Das war's für heute. Melanie war letzte Woche spazieren und wurde unverhofft von David Garrett nach dem Weg gefragt. Es ist wirklich passiert, aber niemand glaubt ihr! Rosie glaubt höchstens, dass David Garrett glaubt, er sei eine musikalische Version von Samson und sein Talent stecke in seinen Haaren (dabei sind's einfach nur gute Gene und tatsächliches Können). Manchmal stellt sie sich vor, wie David panisch von einem Frisierstuhl aufspringt und mit dem Haarschneideumhang die Straße runter rennt.
Nächsten Mittwoch hören wir uns im Podcast. Die nächste Mail-Ausgabe ZWISCHEN ZWEI UND VIER kommt am 7. Oktober. Hast du dich gut unterhalten gefühlt, was gelernt oder neue Musik entdeckt? Schmeiß was in unsere Paypal-Kaffeekasse oder:
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