12. August 2026
Ausgabe #125 Alles, was ihr nie über Musik wissen wolltet von Melanie Gollin und Rosalie Ernst. Das hier ist euer Musikmagazin fürs Mailfach, alle 14 Tage zwischen zwei und vier Themen. mehr erfahren
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Heute: Diese Ausgabe geben wir ab an Anna, Jana und Leonie von leiseaberlaut. Die Drei sind alle um die 20 Jahre alt und haben ihr Musikmagazin Ende 2025 gegründet. Wir lassen sie erzählen, warum sie so gern über Musik berichten wollen und mit welchen Aktionen sie bei Konzerten dafür sorgen, dass niemand den Abend so schnell vergisst. Wenn ihr Musik so liebt wie wir, werdet ihr bei diesen Texten wahrscheinlich mindestens zweimal weinen vor Begeisterung. Und dann direkt auch was starten wollen.
An dieser Stelle begrüßen wir unsere neuen Unterstützer*innen Ove, Joana, Ellen, Lara, Benedikt, Hajo und Simon. Ihr sorgt dafür, dass wir ein paar Rechnungen bezahlen können. Komm auch du in unsere Community! Mach unsere Arbeit langfristig möglich, sichere Medienvielfalt und hilf uns dabei, der Musikbranche ans Bein zu pinkeln! Aktuell sind wir 130 Leute bei Steady. Unser Ziel für 2026 sind 222 Mitglieder.
Am 1. September um 19 Uhr ist auch unser nächster Community Call, da hängen wir mit unseren ULTRAs im Internet rum und nerden über Musik ab. Seid dabei:
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ZWISCHEN ZWEI UND VIER gibt's übrigens auch als Podcast.
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In der aktuellen Folge: My Chemical Romance waren die größte Emo-Band der Nullerjahre. Jetzt sind sie wieder da und haben rund um ihr erfolgreichstes Album THE BLACK PARADE eine ausgeklügelte Story über die faschistische Diktatur Draag gesponnen. Auf jedem Tourstop entwickelt sich die Geschichte weiter. My Chem-Ultra Rosie nimmt uns mit in ihre Welt und wir gucken uns das Storytelling rund um die Black Parade genau an. Ist das echte Kunst oder geniales Marketing?
Überall, wo ihr Podcasts hört.
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Im ersten Text erzählen wir euch, warum wir mit leiseaberlaut unser eigenes Musikmagazin gründen wollten. Es war quasi Notwehr: Manchmal entstehen die schönsten Projekte nämlich genau dann, wenn sich eine Tür nicht öffnet! – Jana
Wir sind leiseaberlaut, ein junges, unabhängiges Online-Magazin, das sich vor allem auf Flinta-Artists und Newcomer*innen konzentriert.
Kennengelernt haben wir uns über Fangruppen und auf Konzerten. Durch Gespräche über unsere Lieblingsartists wurde uns klar, dass super viele Artists in der Menge untergehen und nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Aus dieser Erkenntnis entstand der Wunsch, genau auf diese Künstler*innen aufmerksam zu machen!
Der eigentliche Plan war es nie, ein eigenes Magazin zu gründen. Zunächst wollten Anna und Leonie bestehende Musikmagazine unterstützen und herausfinden, welche Aufgaben sie dort übernehmen können. Sei es bei Interviews, Social Media, der Organisation oder in anderen redaktionellen Bereichen. Sie wollten ihre Begeisterung für Musik einbringen und mithelfen, verschiedenste Künstler*innen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Auf ihre Anfragen bei diesen Magazinen kam jedoch kaum Resonanz. Irgendwann wurde also klar, dass sie selbst aktiv werden müssen, denn wenn man auf die richtige Gelegenheit wartet, wartet man vielleicht sehr lange.
So gründeten Anna und Leonie im Oktober 2025 leiseaberlaut.
Im März 2026 bin ich, Jana, zum Team dazugestoßen. Auch wir haben uns über die Musik kennengelernt. Leonie und ich sind uns immer wieder auf Konzerten begegnet, richtig ins Gespräch kamen wir aber erst beim Magda-Konzert am 7. Februar in Köln. Von da an wurde der Kontakt immer enger und wir besuchten immer häufiger gemeinsam Konzerte. Schnell wurde klar, dass wir dieselben Werte teilen und eine ähnliche Begeisterung für Konzerte und neue Künstler*innen haben. Mir war schon lange wichtig, kleinere Künstler*innen zu unterstützen und denjenigen eine Bühne zu geben, die es oft schwerer haben, wahrgenommen zu werden. Als ich Anna und vor allem Leonie näher kennenlernte, merkte ich, dass leiseaberlaut genau diesen Ansatz verfolgt. Das wurde mir durch das Interview mit MELLER besonders bewusst. Ich war begeistert davon, wie anders dieses Gespräch im Vergleich zu vielen klassischen Musikinterviews war. Die Fragen ließen Raum für ehrliche und persönliche Antworten und MELLER konnte das erzählen, was sich für sie in diesem Moment richtig anfühlte. Genau diese Art von Austausch schätze ich sehr und er zeigt für mich, was leiseaberlaut ausmacht. Wir wollen ehrliche Gespräche führen, bei denen nicht nur die nächste Veröffentlichung im Mittelpunkt steht, sondern die Künstler*innen selbst. Wir wollen Raum für persönliche Geschichten schaffen, die so oft überhört werden.
Unser Name ist dabei Programm: leise steht für all die Stimmen, die im hektischen Musikalltag oft überhört werden. laut steht für unseren Wunsch, genau diesen Stimmen Gehör zu verschaffen und ihnen den Platz zu geben, den sie verdienen. Unser Leitgedanke ist deshalb seit dem ersten Tag: "Bleibt laut, auch wenn's leise wird."
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Keine Band, sondern Jana, Leonie & Anna von leiseaberlaut
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In den vergangenen Monaten durften wir bereits viele besondere Erfahrungen sammeln. Eine davon war die Zusammenarbeit mit dem EMBRACE Festival in Detmold. Wir wurden auf das Festival über einen Instagram-Post aufmerksam. Es standen ausschließlich FLINTA*-Acts auf dem Line-up, weshalb wir die Ankündigung sofort in unserer Story teilten, um mehr Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Kurz darauf entstand der Kontakt und daraus dann eine Kooperation. Wir fuhren nach Detmold, um das Festival journalistisch zu begleiten. Dafür durften wir alle acht Künstler*innen des Festivals interviewen, darunter zum Beispiel Theresa Tadday. Besonders spannend war, dass jedes Gespräch anders war, und jede*r Künstler*in eine ganz eigene Geschichte mitgebracht hat. Das eine Gespräch war emotional und das andere super humorvoll. Genau diese unterschiedlichen Perspektiven haben die Interviews so besonders gemacht. Gleichzeitig war es für uns das erste Mal, ein Festival zu begleiten und an einem Tag so viele Interviews zu führen.
Besonders wichtig ist uns jedoch der Umgang im Team. Wir treffen Entscheidungen gemeinsam, tauschen uns ständig aus und jede von uns weiß genau, woran die anderen gerade arbeiten. Wir versuchen einfach, Spaß zu haben, das zu machen, worauf wir gerade Lust haben. Jede von uns soll sich mit allem, was wir veröffentlichen, identifizieren können.
Natürlich kann dabei nicht alles perfekt laufen. Unser größter Lernpunkt ist aktuell unser Zeitmanagement. Manchmal haben wir zu viele Ideen gleichzeitig und nehmen mehr Projekte an, als wir zeitnah umsetzen können. Zum einen bekommen wir immer wieder Anfragen von kleineren Künstler*innen. Zum anderen entdecken wir selbst immer wieder spannende Artists, über die wir gerne berichten wollen. Es gibt zu viele Musiker*innen, die nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Da fällt es uns aktuell noch schwer zu differenzieren und auch ehrlich zu uns selbst zu sein. Wir müssen noch lernen, nicht jede Idee sofort umzusetzen und auch einfach mal "Nein" zu sagen. Da wir das Magazin neben Beruf, Schule und Alltag betreiben, müssen wir oft schauen, wie genau wir alles unter bekommen.
Wenn wir an einen Moment denken, der vieles ins Rollen gebracht hat, dann ist es das EP-Release-/ Bachelor-Konzert von Emily Velroyen. Dieser Abend war für uns zu Beginn mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Vor Ort waren hauptsächlich Freund*innen und Familie von Emily und ihrer Band, wodurch wir uns anfangs fehl am Platz gefühlt haben. Doch unsere Bedenken wurden uns schnell genommen. Emily und ihre Band haben uns vom ersten Moment an super herzlich aufgenommen. Besonders das Interview mit Emily hat dazu beigetragen, dass wir uns wohl gefühlt haben. Abseits der Kamera entstand ein super lockeres Gespräch, bei dem viel gelacht wurde. Auch ihre Freund*innen kamen auf uns zu, suchten das Gespräch und haben uns das Gefühl gegeben, dazugehören. Dieses Konzert hat uns vor allem gezeigt, wie offen und herzlich die Musikszene sein kann! Wir sind mit super vielen Unsicherheiten in den Abend gestartet und mit schönen Erinnerungen rausgegangen.
Ein Song beschreibt unsere Einstellung und unseren Weg besonders gut: Vor allem die Zeile "Stark bin ich, weil ich einmal mehr versag'" inspiriert uns immer wieder. Sie erinnert uns daran, dass Rückschläge dazugehören und man trotzdem an seine Vision glauben sollte. Gerade am Anfang wurden wir von Freund*innen und Bekannten oft belächelt. Niemand hat wirklich verstanden, was wir mit leiseaberlaut vorhaben. Umso schöner ist es zu sehen, wie viele Menschen unsere Arbeit mittlerweile begleiten und unterstützen und wie viele positive Rückmeldungen wir von Künstler*innen und von Zuschauer*innen bekommen.
Wir stehen noch ganz am Anfang unserer Reise und sind gespannt, was noch alles auf uns zukommt. Es warten noch unzählige Konzerte, Begegnungen und Geschichten darauf, erzählt zu werden und genau darauf freuen wir uns. Also: Bleibt laut, auch wenn's leise wird.
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Die schönsten Konzerterinnerungen entstehen oft ganz nebenbei und genau solche unvergesslichen Momente wollten wir einfangen. Keine Filter, keine Perfektion sondern einfach echte "Konzertmomente". Wie? Mit Vertrauen und einer Handvoll Einwegkameras. – Leonie
Für uns wurde also schnell klar, dass wir unbedingt Einwegkameras ins Publikum bringen wollten.
Im ersten Moment hatten wir durchaus Bedenken, dieses Projekt ins Leben zu rufen. Unzählige Fragen gingen uns durch den Kopf: 1. Wie werden die Besucher*innen die Idee annehmen? 2. Bekommen wir die Einwegkameras überhaupt zurück? 3. Und was, wenn das Projekt nicht ernst genommen wird und am Ende kaum verwertbare Ergebnisse entstehen?
Trotz dieser Unsicherheiten haben wir uns bewusst dafür entschieden, den Schritt zu wagen. Unser Motto lautete: Entweder es klappt oder wir lernen daraus. Denn eines war für uns klar: Wenn wir es nicht versuchen, werden wir nie erfahren, welches Potenzial hinter dieser Idee steckt. Zudem war es uns besonders wichtig, die Momente anderer nicht zu zerstören, indem wir uns mit einer Kamera dazwischen drängen. Durch unsere Einwegkameras konnten die Besucher*innen selbstständig entscheiden, wann ein Bild geschossen wird oder auch nicht. So blieb jeder Moment einzigartig!
Der Startschuss für unser Einwegkamera-Projekt fiel schließlich am 4. Juni 2026. Wie schon erwähnt, haben wir uns dafür das von Bekka organisierte Große Grüne Wiese Open Air in Köln ausgesucht. Trotz sorgfältiger Vorbereitung blieb die Spannung bis zum Ende groß, denn wir wussten immer noch nicht, wie die Besucher*innen die Idee aufnehmen würden. Doch schnell gab es die ersten positiven Rückmeldungen! Um die Rückgabe möglichst einfach zu gestalten, verteilten wir die Einwegkameras in kleinen Tüten. Darauf befand sich eine kurze Anleitung zur Nutzung, sowie eine Anmerkung, an wen man sich wenden kann, sobald die Kamera voll ist. Nach sehr kurzer Zeit sah man, wie tanzende Freundesgruppen Bilder von sich machten, strahlende Gesichter waren im Blitzlicht zu erkennen und es dauerte nicht lange, bis uns die ersten Nachrichten von Menschen erreichten, die ihre voll fotografierten Kameras zurückgeben wollten. Für uns war das ein unbeschreibliches Gefühl. Aus Unsicherheit wurde Erleichterung, aus einer Idee ein gemeinsames Erlebnis. Die Begeisterung und Unterstützung der Besucher*innen haben uns gezeigt, dass sich der Mut, neue Wege zu gehen, mehr als gelohnt hat! Doch warum überhaupt neue Wege gehen? In einer Zeit, in der nahezu jeder Moment mit dem Smartphone festgehalten, direkt kontrolliert und im Zweifel noch einmal aufgenommen wird, wollten wir bewusst einen anderen Ansatz wählen. Uns ging es nicht darum, möglichst perfekte Bilder zu produzieren, sondern echte und spontane Augenblicke einzufangen. Genau hier lag für uns der Reiz der Einwegkameras: Man drückt auf den Auslöser, ohne zu wissen, wie das Bild am Ende aussehen wird.
Was uns an den gewohnten Wegen oft fehlt, ist genau diese Unbeschwertheit. Bilder werden ausgewählt, bearbeitet oder gelöscht, bevor sie überhaupt jemand zu Gesicht bekommt. Bei unserem Projekt sollte es dagegen keine zweite Aufnahme und keinen Filter geben. Jeder Schnappschuss durfte genauso bleiben, wie er in diesem einen Moment entstanden ist. Dadurch wollten wir das Open Air aus einer Perspektive zeigen, die persönlicher, ungeplanter und vor allem authentisch ist.
Als Jana die Kameras anschließend weggebracht hat, um sie entwickeln zu lassen, konnten wir es kaum erwarten, die Ergebnisse anzuschauen! Allerdings hatten wir keinerlei Vorstellung davon, was wir zu sehen bekommen würden, und ob sich die Umsetzung so zeigt, wie erwünscht. Entstanden sind ehrliche, ungefilterte Momentaufnahmen voller Freude, Musik und Gemeinschaft. Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte und macht die einzigartige Atmosphäre des Open Airs auch im Nachhinein noch spürbar.
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Exklusiver Einblick in die Fotos vom Große Grüne Wiese Open Air.
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Ein ganz besonderes Highlight war für uns, dass es eine der Einwegkameras tatsächlich bis in den Backstage-Bereich und sogar auf die Bühne geschafft hat. Was anfangs eher als eine spaßige Idee begann und für uns kaum vorstellbar war, wurde schließlich Realität.
Mit der Entwicklung der Kameras ist unser Projekt für uns aber noch nicht vorbei. Die entstandenen Aufnahmen möchten wir im weiteren Verlauf auch über unsere Social-Media-Kanäle mit der Öffentlichkeit teilen. Damit möchten wir nicht nur einen Einblick in die besonderen Momente dieses Tages geben, sondern vor allem den Besucher*innen die Möglichkeit bieten, noch einmal auf das Open Air zurückzublicken und vielleicht den ein oder anderen Moment wiederzuentdecken.
In welcher Form wir die Bilder veröffentlichen, steht aktuell noch nicht endgültig fest. Eines wissen wir aber schon jetzt: Diese Aufnahmen sind viel zu besonders, um sie für uns zu behalten. Sie sollen gesehen und geteilt werden und noch einmal zeigen, was für ein wunderschöner Tag hinter uns liegt.
Für uns bleibt vor allem eine Erkenntnis: Gute Ideen müssen nicht perfekt sein, um umgesetzt zu werden. Oft braucht es nur den Mut, den ersten Schritt zu gehen. Deshalb möchten wir alle ermutigen, eigene Ideen nicht zu lange zu hinterfragen, sondern ihnen eine Chance zu geben. Denn manchmal entstehen genau daraus die schönsten Erinnerungen und die wertvollsten Erfahrungen.
Unser größter Dank gilt allen, die dieses Projekt mitgetragen haben. Jede zurückgebrachte Kamera und jedes einzelne Bild haben dazu beigetragen, aus einer Idee ein gemeinsames Erlebnis zu machen. Wir freuen uns darauf, alle Bilder schon bald (mit euch) zu teilen!
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Viele denken, Fanprojekte wären wochenlang geplante Aktionen mit riesigem Budget. In Wirklichkeit fangen sie meistens mit einer einzigen Frage an: Wie können wir einen Konzertabend noch ein kleines bisschen magischer machen? Wir haben hier Inspiration für euch. Vielleicht wollt ihr beim nächsten Konzert eurer Lieblingskünstler*in ja auch etwas ganz besonderes mit den anderen im Publikum veranstalten? – Anna
Die Lichter gehen aus und für einen kleinen Moment wird es still. Dann erklingen die ersten Töne, die Menschen um einen herum beginnen zu jubeln und plötzlich singen Hunderte denselben Text. Alle kennen ihn, aber jede*r hat eine andere Geschichte zu erzählen. Für Außenstehende ist das vielleicht einfach nur ein Konzert. Für uns ist es viel mehr. Es gibt Menschen, die hören Musik. Und es gibt Menschen wie uns, die leben sie. Dieses "Musik leben" ist genau der Grund, warum eine Fankultur so besonders ist.
Fankultur besteht nicht nur aus Playlists, Konzerttickets oder Merch. Sie besteht aus Menschen. Aus ganz vielen Erinnerungen. Aus Freundschaften und aus Ideen, Künstler*innen etwas zurückzugeben, die uns mit ihrer Musik vielleicht schon viel mehr gegeben haben, als sie selbst jemals erfahren werden. Für leiseaberlaut haben wir von Januar bis Mai dieses Jahres 200 junge Menschen gefragt, welche Rolle Musik in ihrem Leben spielt. Eine Antwort ist mir besonders im Kopf geblieben: Jede sechste befragte Person verbindet Musik vor allem mit Freundschaften, Communities und gemeinsamen Erlebnissen.
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Die Umfrageergebnisse findet ihr bei Insta (einfach auf's Bild klicken).
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Eigentlich hat mich dieses Ergebnis gar nicht überrascht, denn genau das erlebe ich ständig. Man fährt stundenlang mit dem Zug zu einem Konzert und steigt am Ende mit Menschen wieder ein, die man morgens noch gar nicht kannte. Man verbringt den ganzen Tag gemeinsam beim Queuen, redet über die favourite Songs, über das Leben oder darüber, welches Konzert als nächstes ansteht. Irgendwann merkt man, dass aus fremden Menschen, Freund*innen geworden sind. Nicht, weil man sich gesucht hat, sondern weil Musik alle zusammengebracht hat. Nach dem Konzert wird noch lange mit den Menschen, die man kennengelernt hat, geschrieben und genau dort entstehen Fanprojekte. Viele denken, Fanprojekte wären wochenlang geplante Aktionen mit riesigem Budget. In Wirklichkeit fangen sie meistens mit einer einzigen Frage an: "Wie können wir diesen Abend noch ein kleines bisschen magischer machen?"
Ein Fanprojekt, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, haben Jana und Leonie während der He/Ro Tour organisiert. Der Support Act Liska sollte an diesem Abend von uns einen Moment bekommen, den sie nie wieder vergessen sollte. Vor Konzertbeginn verteilten die beiden unzählige bunte Knicklichter an die Menschen in der Schlange und erklärten allen, dass sie diese bei ihrem Song "Farben für den Winter" hochhalten sollten. Mehr brauchte es eigentlich gar nicht. Als das Lied begann, hoben die ersten Besucher*innen ihre Knicklichter hoch. Die Menschen daneben machten einfach mit. Wieder andere sahen es und schlossen sich ebenfalls an. Innerhalb weniger Sekunden leuchtete plötzlich die komplette Halle in den unterschiedlichsten Farben. Niemand musste dazu aufgefordert werden. Niemand musste überredet werden. Es passierte einfach. Für einen kurzen Moment spielte es keine Rolle mehr, wer wen kannte oder wer neben wem stand. Alle waren Teil, die Geschichte dieses Liedes weiterzuschreiben. Das war einfach nur Gänsehaut. Vor allem, weil Liska an diesem Abend nicht einmal der Hauptact war. Genau solche Augenblicke machen Fanprojekte aus. Sie dauern manchmal nur ein paar Sekunden. Aber die bleiben für immer.
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Über mehrere Monate hinweg sammelte ich online Briefe, Zeichnungen, Fotos und persönliche Nachrichten von Fans. Jede*r sollte die Möglichkeit haben, etwas beizutragen. Anfangs war das gar nicht so leicht. Viele fanden die Idee zwar schön, aber natürlich kostet es Zeit, etwas zu schreiben oder zu gestalten. Ich fragte immer wieder nach, erklärte das Projekt und hoffte einfach, dass genug Menschen Lust hatten und mitmachen würden.
Durch ein TikTok-Video wurde ich schließlich auf eine WhatsApp-Community mit über 400 Berq-Fans aufmerksam und teilte dort auch mein Projekt. Von da an kamen jeden Tag neue Beiträge dazu. Täglich warteten neue Nachrichten auf mich, und immer mehr Fans wollten mitmachen, sodass das Fanbuch Seite für Seite voller wurde.
Als genug Beiträge gesammelt waren, gestaltete ich das gesamte Buch in Canva. Eigentlich wollte ich es professionell drucken lassen. Aber kurz vor dem Konzert kam die schlechte Nachricht: Das Buch würde wegen Lieferschwierigkeiten nicht mehr rechtzeitig ankommen. Nach Monaten Arbeit wollte ich diesen Plan nicht einfach aufgeben. Also fuhr ich zu meinen Kontakten des Vertrauens, druckte alles selbst aus und band das komplette Buch eigenhändig. Kurz vor dem Konzert war es endlich fertig. In der Queue ließ ich zusätzlich noch Fans auf kleinen Post-its hinten im Buch unterschreiben. So konnten auch die Menschen, die erst an diesem Abend von dem Projekt erfahren hatten, noch Teil davon werden. Beim letzten Song "Rote Flaggen" übergab ich Berq schließlich das Fanbuch. Man konnte sehen, dass er sich gefreut hat, denn er bekam das Lächeln nicht mehr vom Gesicht. Später bedankte er sich noch einmal und einige Zeit danach bekam ich sogar eine Nachricht von einem Bandmitglied. Darin stand, wie genial sie dieses Buch fanden.
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Genau deshalb machen wir solche Projekte. Weil aus einer Idee irgendwann eine wunderbare Erinnerung wird. Natürlich müssen Fanprojekte nicht immer riesig sein.
Hinter solchen Projekten steckt aber auch eine Frage, die man von außen vielleicht gar nicht sieht: Wie finanzieren wir das eigentlich? Die Antwort ist meistens ziemlich einfach: Wir bezahlen die Dinge selbst. Die Materialien, die Bastelsachen, die Druckkosten oder andere Kleinigkeiten kommen aus unserer eigenen Tasche. Wir bekommen dafür kein Geld und verdienen auch nichts daran. Natürlich überlegen wir vorher, was möglich ist und wie viel wir ausgeben können. Aber am Ende machen wir diese Projekte nicht, weil wir dafür etwas zurückbekommen. Wir machen sie, weil wir Künstler*innen und anderen Fans besondere Momente schenken möchten. Weil es sich lohnt.
Oft reichen Papier, eine Schere und viele helfende Hände. Für Soffies Song "Für immer Frühling" schnitt Leonie unzählige Blumen aus Pappe aus. Vor dem Konzert wurden sie an die Besucher*innen verteilt. Als das Lied begann, verwandelte sich die ganze Venue in eine Blumenwiese. Für ein paar Minuten fühlte es sich tatsächlich so an, als wäre für immer Frühling.
Bei einem Konzert von Magda hatten wir eine ähnliche Idee. Dieses Mal schnitten wir Monde aus Papier aus und verteilten sie ans Publikum. Ohne dass wir es wussten, hatten andere Fans ebenfalls eine Idee. Sie brachten kleine Mondlampen mit. Bei dem Lied "Mondkind" von Magda leuchteten plötzlich überall kleine Monde. Magda war sprachlos.
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Zu allen Fanprojekten gibt es Videos, die Links sind im jeweiligen Absatz.
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Das liebe ich an Fanprojekten. Alle bringen etwas mit. Eine*r hat eine Idee. Jemand anderes hilft beim Ausschneiden. Die nächsten verteilen alles vor der Halle. Und wieder andere halten die Aktion überhaupt erst am Leben, indem sie mitmachen. Deshalb muss man Menschen für Fanprojekte eigentlich gar nicht überzeugen. Ganz im Gegenteil. Oft kommen sie von selbst auf uns zu und fragen, ob sie helfen können. Sie schneiden mit aus. Sie verteilen mit. Sie erzählen anderen davon. Sie entwickeln neue Ideen. Und genau dadurch wächst Fankultur immer weiter.
Das Schönste ist, dass Fanprojekte andere inspirieren. Nach einem Konzert kommen oft Menschen zu uns und fragen, wie wir das organisiert haben. Beim nächsten Konzert setzen sie selbst eine Idee um. Danach übernimmt wieder jemand anderes diese Idee und entwickelt sie weiter. So entstehen immer neue Momente. Nicht, weil irgendjemand vorgibt, was gemacht werden soll. Sondern, weil es eine Kettenreaktion ist.
Ich glaube, genau das macht Fankultur so besonders. Wir schreiben damit keine Musik. Das übernehmen die Künstler*innen. Aber wir schreiben die Geschichten, die zwischen den Liedern passieren. Die Geschichten von Menschen, die sich ohne Musik wahrscheinlich nie kennengelernt hätten. Die Geschichten von Knicklichtern, die eine ganze Halle zum Leuchten bringen. Von Papierblumen, die aus einer kleinen Venue einen Frühling machen. Von Monden, die einen Konzertsaal in einen Nachthimmel verwandeln. Von einem Fanbuch voller persönlicher Worte. Und vielleicht erinnern sich die Künstler*innen Jahre später nicht mehr an jede Setlist oder an jedes Konzert. Vielleicht erinnern sie sich aber an den Abend, an dem plötzlich die ganze Halle in bunten Farben leuchtete. Oder an ein Buch voller Nachrichten von Menschen, die ihre Musik jeden Tag begleitet.
Fanprojekte zeigen, dass Musik nicht dort endet, wo das letzte Lied verklingt. Manchmal fängt sie genau dort erst an.
COMMUNITY Habt ihr schon mal eine Fanaktion gemacht? Erzählt uns davon!
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Das war's für heute. Rosalie und Melanie schniefen in ihre Taschentücher, weil sie ganz beseelt sind von diesen Texten. Wenn sie nicht schon ein Musikmagazin hätten, würden sie jetzt eins starten. Aber so eine Fanaktion sollten sie unbedingt auch mal machen. Vielleicht verteilen sie Heu an alle beim nächsten Rahel-Konzert, das dann bei "weidentier" auf die Bühne geworfen wird? Oder Nasenflöten zum Mitspielen der Flötensoli bei Alice Costelloe? Oder Ablehnungsbescheide der KSK, mit denen wir dann beim Konzert von Frau Lehmann synchron wedeln? Oder...
Nächsten Mittwoch hören wir uns im Podcast. Die nächste Mail-Ausgabe ZWISCHEN ZWEI UND VIER kommt am 26. August. Hast du dich gut unterhalten gefühlt, was gelernt oder neue Musik entdeckt? Schmeiß was in unsere Paypal-Kaffeekasse oder:
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