25. März 2026
Ausgabe #115 Alles, was ihr nie über Musik wissen wolltet von Melanie Gollin und Rosalie Ernst. Das hier ist euer Musikmagazin fürs Mailfach, alle 14 Tage zwischen zwei und vier Themen. mehr erfahren
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Heute: Wie kommt die Musik zu den Eiskunstläufer*innen und spielt KI dabei schon eine Rolle? Ein Interview mit der olympischen Kommentatorin Petra Bindl. Außerdem klären wir die Frage, was zu tun ist, wenn man das Cat-Stevens-mäßige Bedürfnis hat, zu singen. Aber davor noch eine klitze kleine Verkündung!
An dieser Stelle begrüßen wir unsere neuen Unterstützer*innen Frank, Toni, Cornelius, Raphael, Sven, Romeo, Louis, Heike, Paukla, Florian, Kerstin und Susanne. Ihr swingt es back zu uns.
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Ok, Verkündung: [Stellt euch bitte vor, dass hier jetzt eine Fanfare ertönt.]
Wir haben einen Podcast! Na endlich.
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Wie hört sich der Sweet Spot zwischen der perfekten Streaming-Playlist und einer Radioshow aus den 70ern an? So wie der ZWISCHEN ZWEI UND VIER Podcast! Hier kann alle 14 Tage alles passieren. Mal testen wir dein Musikwissen mit einem Quiz über Atemgeräusche in Popsongs, mal gehen wir tief rein in ein Rabbithole über die Musik von taiwanesischen Müllwagen. Oder wir basteln eine Reportage zu Bluthochdruck in Songtexten.
Was unterscheidet den Podcast vom Newsletter? Wir reden zwischendurch über unseren Alltag als Fans und Musikjournalistinnen und lassen auch euch zu Wort kommen. Was hört ihr gerade, was erlebt ihr als Fans und Musiker*innen? Wir und ihr können hier mehr Persönliches von uns erzählen.
Folge 1 & 2 sind jetzt online!
Ab 1. April alle 14 Tage. Damit ist dann jeder Mittwoch ZWISCHEN ZWEI UND VIER-Tag!
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Pünktlich zur Eiskunstlauf-WM in Prag habe ich mit Kommentatorin Petra Bindl gesprochen. Sie hat bei der Winterolympiade mehrere Wettbewerbe kommentiert und nachdem ich mich in Ausgabe #113 über das Thema KI beim Eiskunstlauf ausgelassen habe, wollte ich nochmal das Pferd von hinten aufzäumen. Petra Bindl kommt selbst aus dem Eis- und Rollkunstlauf und arbeitet als Trainerin und Kommentatorin. Ich habe sie gefragt, wie wichtig die Musik in diesem Sport denn nun wirklich ist. – Rosalie
Kannst du mir erstmal generell erklären, was für eine Rolle die Musik im Eiskunstlauf spielt? Ich habe natürlich ein komplett romantisiertes Bild davon. Petra Bindl: Es gehört einfach dazu, dass, wenn du eine Kür einstudierst, da natürlich Musik ist. Meiner Mama, die auch Trainerin war, hat es am Anfang nicht so gefallen, aber auch schon im Training oder zum Einlaufen habe ich einfach eine Playlist laufen lassen, um eine andere Stimmung zu haben. In dem Moment, wo man Musik hört, ist man noch ein bisschen künstlerischer unterwegs, bewegt sich anders, als wenn es so trocken ist und ein Sprung nach dem anderen geübt wird. Und so hat sich das auch immer weiterentwickelt, dass mittlerweile auch wenn du bei der WM oder bei Olympia bist, im Training schon Musik läuft.
Das heißt, die Musik und das Eiskunstlaufen werden von vornherein zusammengedacht? Die Musik ist einfach ein elementarer Teil des Ganzen. Wir sprechen ja über Kunst, also Eiskunst. Das ist nicht einfach nur Laufen. Ich sage immer: Wenn du es perfekt machst, dann ist es ein Zusammenspiel, eine Symbiose aus Musik, dem Outfit passend zur Musik und dem Thema, das du gewählt hast. Es geht sehr stark um Storytelling, im Eistanz noch viel mehr. Du siehst ja auch diese Mimik, die Gestik, wie die mit dem Gesicht spielen und dann natürlich die technischen Elemente. Und wenn du es schaffst, diese drei Ebenen zusammenzubringen, dann bist du wirklich ganz weit vorne. Und das ist, was du in der Komponentenwertungen siehst: Presentation, Composition, Skating Skills. Und du siehst es ja auch: das Publikum angezündet von der Musik oder von dem Thema. Und es mag vielleicht auch Kommentator*innen geben, die sagen 'Gott, jetzt kommt schon wieder mal der Nussknacker'. Aber es ist immer die Frage, wie es umgesetzt wird. Die Musik ist wahrscheinlich das Elementarste, denn ohne Musik gibt es keine Kür. Ich glaube, wir hätten nicht diese Show, wir hätten nicht diese Wettkämpfe.
Wie ist der Ablauf bei der Auswahl von den Musikstücken? Also wenn ich jetzt mal auf meine Erfahrung runterbreche: Es kommt erst mal drauf an, in welcher Leistungsklasse ein Läufer oder eine Läuferin ist. Für mich ist immer das Wichtigste: Es muss zum Läufer oder zur Läuferin oder zum Paar passen. Also, wenn ich merke, ich habe so eine kleine verträumte Maus, die aber schon ganz süß und elegant läuft, kann ich keine Techno-Geschichte nehmen. Ich kann aber auch einer Läuferin, die nicht so dieses Künstlerische mitbringt, keine Ballettmusik geben. Und das passiert leider oft im jungen Bereich, dass manche Trainer einfach sagen: "Ich habe da so eine Kiste mit zehn Musiken und die werden halt jetzt alle zwei Jahre wieder ausgepackt, da kann die schon auch drauf laufen." Und dann muss sie am besten noch ein Kleid anziehen von einer von vor zehn Jahren und dann wird es ganz schlimm. Es passt nicht und das siehst du auch. Und deswegen muss man immer schauen, was macht die Läufer*innen besonders? Was können die umsetzen?
Wie viel Mitsprache ist denn da bei der Musikauswahl? Bei den ganz Kleinen suchst du mehr oder weniger die Musik aus. Du spielst es ihnen vor, aber da sind die meisten eh happy: Ich habe ein Programm, ich bekomme eine Kür. Die sind einfach stolz. Aber bei den Größeren setzt du dich auch mal hin und hörst gemeinsam durch die Vorauswahl. Oftmals kommen dann auch Vorschläge von den Läufer*innen selber. Unser deutsches Paar, Minerva Hase und Nikita Volodin, die Bronze gewonnen haben, hat sich dieses Jahr das erste Mal an den Tango herangetraut. Vorher haben sie sich das nicht zugetraut und wir reden hier über Weltspitze. Aber da siehst du mal, wie das auch zusammenspielt. Und dieser Tango wurde dann ja von Maxim Rodriguez eigens für sie komponiert. Und dann hat man das mit dem Trainerteam zusammen entwickelt. Also, umso höher oder größer, umso mehr entscheiden natürlich auch dann die Läufer und Läuferinnen mit.
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Würdest du sagen, es gibt noch Hierarchien zwischen Choreografien zu Popmusik und klassischer Musik? Wir sind schon froh, dass seit vielen Jahren jetzt auch Vocals zugelassen sind. [Erst seit der Saison 2014/2015 ist Gesang in der Musik beim Eiskunstlauf von der ISU zugelassen]. Davor war alles auf klassische Musik oder andere Musik ohne Vocals. Das wird natürlich immer noch gezeigt, aber die Range ist jetzt breiter geworden. Ich würde nicht sagen, dass es eine Hierarchie-Geschichte ist, es hat sich einfach entwickelt. Es zeigt auch, wie der ganze Sport sich entwickelt hat. Diese Sportart hat es geschafft, sich über die letzten Jahre zur absoluten Showtime zu entwickeln. Es ist auch die einzige Sportart, die eine Gala bei den großen Ereignissen am Ende hat, wo dann wirklich nur die Show ist. Und sie haben es geschafft, für diese Sportart, die ja von Anfang an bei Olympia dabei ist, auch die junge Generation zu begeistern. Es war ein wichtiger weiterer Step, diesen Sport weiter zu öffnen, auch für die Generationen von morgen.
Und was sind die großen Probleme, wenn es jetzt zu der Musikauswahl kommt? Es gab ganz viele Copyright-Issues dieses Jahr. Das ging mit dieser Saison im Herbst los. Teilweise waren Musiken, die schon mehrfach verwendet wurden, auch noch eine Woche vor Olympia nicht geklärt. Und da gab es Situationen, dass Leute, die eigentlich ihr Programm beim Grand Prix im Oktober gelaufen sind, plötzlich bei Olympia nochmal alles ändern mussten oder ihr Kurzprogramm aus dem letzten Jahr genommen haben. Da kannst du ja nicht so schnell einfach so ein Programm ändern. Das ist schon knallhart. Und diese Copyright-Issues kommen oft aufgrund dessen, dass diese Musiken einen Hauch verändert und gemixt werden. Die Leute nehmen Musiken teilweise aus YouTube. Du musst das eigentlich kaufen und sie nehmen es aber, sie laden es von YouTube runter und nehmen es, und dann ist vielleicht irgendwo eine kleine Nuance von irgendjemandem verändert und dann hast du schon das Problem.
Glaubst du, dass da KI schon als Lösung wahrgenommen wird, oder wird das auch innerhalb der Szene kritisch besprochen? Ganz ehrlich, da muss ich sagen, habe ich mich jetzt noch gar nicht so viel mit Läufern oder Läuferinnen darüber unterhalten. Aber du kannst auf der ISU-Seite alle Bios anschauen von den großen Läufern und da stehen immer die Musiktitel dabei. Wenn ich mir das so anschaue, dann sind das alles Titel, die man kennt. KI-Musik ist für die meisten, glaub ich, nicht relevant.
Hast du denn das Gefühl, da geht eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Musik verloren, wenn wir dort mehr auf KI gehen würden? Also ich bin insgesamt kein großer Gegner von KI. Es ist Wahnsinn, was mittlerweile geht, und natürlich macht das auch manchmal Angst. Aber ich finde gerade aktuell die Musikszene so viel schöner, als vor einigen Jahren, wo du Leute in der Nummer 1 hattest à la Boney M. Das ist ja fast die Vorstufe von KI, wo irgendjemand anders gesungen hat und die Band da stand und Playback gemacht hat. Das ist heute wieder viel ehrlicher. Ich bin mir sicher, da wird auch noch einiges in Bewegung kommen und dann wird man sehen, was da fehlt. Ich denke mir, gerade bei so Sachen, wo es so viel um den Ausdruck und ums Gefühl geht, finde ich das so absurd. KI hat noch kein Gefühl. Und das ist, was wir Menschen ihr voraus haben.
Fandest du dieses Interview interessant?
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Manchmal steht man rum, möchte singen und weiß gar nicht, ob man darf. Cat Stevens hat darüber ein Lied und wir das passende Flow Chart. Damit ihr nie wieder ratlos seid. – Melanie
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Das war's für heute. Melanie hätte jetzt gern ein Crossover: CATT Stevens – CATT, singst du für uns "If You Want To Sing Out"? Rosie wartet noch auf die stilistisch passende Collabo von Japanese House und Japanese Breakfast.
Nächsten Mittwoch hören wir uns im Podcast. Die nächste Mail-Ausgabe ZWISCHEN ZWEI UND VIER kommt am 8. April. Hast du dich gut unterhalten gefühlt, was gelernt oder neue Musik entdeckt? Schmeiß was in unsere Paypal-Kaffeekasse oder:
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