8. April 2026
Ausgabe #116 Alles, was ihr nie über Musik wissen wolltet von Melanie Gollin und Rosalie Ernst. Das hier ist euer Musikmagazin fürs Mailfach, alle 14 Tage zwischen zwei und vier Themen. mehr erfahren
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Heute: Wie findet man als FLINTA* (mehr) Jobs in der Veranstaltungsbranche? Das Projekt We Are A Lot will verknüpfen. Außerdem: Ein paar Musikvideoempfehlungen aus dem Youtube-Tunnel. Und: Räuber Hotzenplotz und die musizierende Kaffemühle. Was singt sie, warum und gibt es sie wirklich? Wir brauchen eure Hilfe!
An dieser Stelle begrüßen wir unseren neuen Unterstützer Stefan. Du rettest diese Woche die Ehre der Leser*innen. Du bist allein.
Denkt dran: Nur mit euch können wir unabhängig bleiben und überleben.
Kommt auch ihr in unsere Community! Macht unsere Arbeit langfristig möglich und helft uns dabei, der Musikbranche ans Bein zu pinkeln!
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ZWISCHEN ZWEI UND VIER gibt's jetzt auch als Podcast.
In der aktuellen Folge reden wir über den Gender Pay Gap. Warum ist der in der Musikindustrie höher als in anderen Branchen? Wir haben Gründe und Idee, was man dagegen tun könnte. Und: Irgendwas stimmt nicht mit der Berichterstattung über Geese. Wir korrigieren das.
Unsere Steady-Mitglieder bekommen außerdem Extrafolgen. Heute haben sie einen kleinen Exkurs zum Thema Mixtapes im Feed. Der Podcast kommt genau wie der Newsletter alle 14 Tage. Jetzt ist jeder Mittwoch ZWISCHEN ZWEI UND VIER-Tag!
Überall, wo ihr Podcasts hört.
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Wenn ihr FLINTA* in der Veranstaltungsbranche seid oder werden wollt, habt ihr wahrscheinlich schon Erfahrung damit gemacht, dass es schwierig ist, Fuß zu fassen und Jobs zu bekommen. Zumindest schwieriger als es für cis-männlich gelesene Menschen ist. Das möchte das Netzwerk We Are A Lot ändern.
We Are A Lot ist eine Ressourcenplattform und soll jetzt auch eine Jobbörse werden. Ihr findet auf der Website Interviews mit FLINTA*, die von ihren Jobs erzählen, eine Liste weiterer Netzwerke, die euch den Rücken stärken, und Buchtipps, die euch mit Wissen bewaffnen.
Neu ist, dass ihr direkt auf der Website ein Profil mit euren Fähigkeiten anlegen könnt, das mit eingehenden Jobangeboten abgeglichen wird. Wenn's passt, werdet ihr mit dem Job gematcht. Klingt easy. Ist es auch.
Gesucht werden Menschen und Jobs für: Advancing & Local Rep Artist Care Backline Bühne & Infrastruktur Elektrotechnik Fotografie & Content Creation Lichttechnik (Design, Operating, System, Stage) Merchandise Produktionsassistenz Produktionsleitung Rigging Runner SFX & Pyro Set & Setdesign Sicherheit Stage Management & Ablaufregie Tontechnik (FOH, Mons, System, Stage, UHF) Tour Management Video & LED VfV / Meister*in & Arbeitssicherheit
Diese Liste ist nicht nur interessant für die, die in diesem Feld arbeiten. Auch ihr anderen, die nicht aus der Musikbranche kommen, habt hier einen kleinen Einblick, wer tatsächlich alles hinter den Kulissen rumturnt, damit wir schöne Musikerlebnisse haben. Lisandra Fiedler von We Are A Lot hat uns kurz durchgegeben, was auf der Plattform schon gut funktioniert und wo gerade noch Hürden liegen.
"Das Teilen funktioniert bereits sehr gut, und innerhalb kürzester Zeit haben sich viele FLINTA*s angemeldet. Zudem gehen schon erste vereinzelte Jobangebote ein, was zeigt, dass das Konzept beginnt, Wirkung zu entfalten. Die größte Hürde dabei ist jedoch, dass Menschen nicht nur Zugang zu dem Tool haben, sondern auch wirklich den Willen mitbringen, es aktiv zu nutzen und Veränderungen anzustoßen. Ohne diese intrinsische Motivation bleibt selbst das beste Angebot oft ungenutzt."
Wenn ihr Jobangebote in der Veranstaltungsbranche habt, probiert doch We Are A Lot mal aus.
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Es gibt wenig Entspannenderes, als mal wieder richtig im Youtube-Musiktunnel zu verschwinden. Hier ein paar witzige Videos, merkwürdige Funde oder einfach aufrichtige Empfehlungen. – Melanie
Vermisst jemand von euch Katzenjammer? Dieser Satz ist lustiger, wenn man nicht weiß, dass Katzenjammer eine schwedische Band waren, die um 2009 rum ziemlich erfolgreich Spelunkenpop gemacht haben. Wer sowas heute sucht und dazu Religions- und Kapitalismuskritik haben will, kann es mit diesem Quartett probieren. Ihre Songs beschäftigen sich selten mit Liebe und ihr wisst ja, dass ich dafür eine Schwäche hab. In diesem sea shanty-ähnlichen Stück geht es zum Beispiel darum, dass generative KI alles verschlucken wird.
I've stolen your art, I've stolen your time I've stolen your skin now I wear it as mine You fed me your heart, you fed me your soul I am the whale that will swallow you whole
Damit reihen sich Karma & The Killjoys in eine kleine, aber auffällige Liste an Songs über KI ein, die allein in den letzten drei Wochen erschienen sind – und das nur von bekannten Künstler*innen. Es dürften insgesamt sicher mehr sein:
Venbee – Not My Day Ok: The Streets, aber nicht mit Mike Skinner, sondern Kate Nash als Sängerin. Allerdings hat Venbee ihren Dialekt auf ihren anderen Songs nicht (oder singt zumindest nicht damit), was verwirrend ist. Und den Track etwas performativ macht, oder? officialannielennox kommentiert einen Instapost zu "Not My Day" trotzdem mit "Amaaaaazing!!!!!!!!!".
Danach bin ich auf eine Band namens The Rooks gestoßen. Musikalisch unbeeindruckend, aber der Name hat mir kurz Gehirnforst gegeben: Ah, The Kooks! Ah nee, The Rakes! Auch nicht. Komisch, dass es immer noch einen ähnlichklingenden The-Bandnamen gibt, den noch niemand gewählt hat.
Raufgeklickt wegen des Songtitels. Das ist nämlich der Titel und nicht die Genrebeschreibung des Songs (aber auch). Der ist trotzdem eher langweilig, das Video allerdings… Die Story ist folgende: Ein Junge hat Dinosaurierhände und ist deswegen Außenseiter. Nur einem Mädchen macht das gar nichts aus und sie verbringen romantische Stunden. Der Junge wird weiter gehänselt. Der Vater des Mädchens mag ihn nicht, doch das Mädchen steht zu ihm. Am Ende kommt raus, dass sie auch eine Außenseiterin ist – sie hat einen Löwenschwanz! Hat noch jemand ein Deja Vu? Gut, das wird wohl kein Zufall sein, denn es passt ja wie das Hirschgeweih auf den Emo-Pop, den WHATMORE hier wiederbeleben wollen.
Rabbitology – The Bog Bodies Das ist diese Art von Musik zwischen dem Gefühl eines Gummistiefels, der gerade so nicht im Matsch stecken bleibt, und einer beachtlichen Stocksammlung. Dieses Lied hat mich durch seine eigenartigen Sprachbilder gewonnen, in denen Liebe und Körperlichkeit vor allem mit Natur und Folklore (so viel Sumpf, Hasen, Blut und Blätter) gemalt werden. Ähnlich wie bei Hozier zwei Liebende zusammen in fuchsbewohnten Auen verrotten, konservieren sie sich hier im Moor. Glaub ich, es ist alles etwas verschachtelt. Die Geräusche in Rabbitologys Songs gibt es garantiert nicht in Garageband und damit ist Nat Timmermann quasi Cosmo Sheldrake für Waldhexen. Aber eine Sache müsst ihr mir sagen: Hört ihr in "The Bog Bodies" auch die Melodie von LaRouxs "Bulletproof"?
COMMUNITY Was sind eure youtube-Entdeckungen? Habt ihr in letzer Zeit sehenswerte Videos und Live-Performances entdeckt? Wir würden sie gern in einer der nächsten Ausgaben teilen. (Bitte kommt uns aber jetzt nicht mit Angine de Poitrine.)
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"Du Zwackelmann" ist eine liebevolle Beleidigung, die fest zu meinem Sprachgebrauch gehört. Neulich musste ich sie erklären und habe den Fiebertraum der Geschichte von Räuber Hotzenplotz heruntergebetet. Dabei habe ich festgestellt, dass a) eigentlich alle Bücher darauf beruhen, dass dieses ganze Dorf an Gesichtsblindheit leidet und der Plot auf permanenten Verwechslungen fußt, und b) ich den Räuber gut verstehen kann, denn eine Kaffeemühle, die "Alles neu macht der Mai" spielt, hätte ich auch gern. Aber wie klingt dieses Lied eigentlich? Und gibt es so eine Mühle überhaupt? – Rosalie "Einmal saß Kasperls Großmutter auf der Bank vor ihrem Häuschen in der Sonne und mahlte Kaffee. Kasperl und sein Freund Seppel hatten ihr zum Geburtstag eine neue Kaffeemühle geschenkt, die hatten sie selbst erfunden. Wenn man daran kurbelte, spielte sie 'Alles neu macht der Mai', das war Großmutters Lieblingslied." Mein Musiknerdtum und meine Koffeinsucht reichen sich bei diesen Zeilen aus dem ersten Buch über den Räuber Hotzenplotz von Otfried Preußler verzückt die Hände. Die zauberhafte Mühle verleitet den Räuber Hotzenplotz zu einem Überfall und ich muss gestehen: Recht hat er. Wie "Alles neu macht der Mai" klingt, wusste ich jedoch nicht, als ich das Buch als Kind gelesen habe, und auch nicht, als ich meine Hörspielkassette einlegte. Denn spannenderweise hat man sich sowohl in meiner Hörspielfassung von 1970 als auch in dem Spielfilm von 2022 für neue Melodien entschieden. Jeweils erklingen beim Drehen der Kaffeemühlenkurbel die unbekannten zarten Töne einer Spieluhr (für den Film sogar komponiert von OG Kinderfilm-Musikmacher Niki Reiser). Dass es sich hierbei nicht um das im Buch beschriebene Lied handelt, hat einen plausiblen Grund: "Alles neu macht der Mai" ist ein Gedicht von Hermann Adam von Kamp aus dem Jahr 1818 und wird auf die Melodie des damals etablierten Volksliedes "Jägerlust (Fahret hin)" gesungen. Doch auch das bekannte Lied "Hänschen klein" folgt eben dieser Melodie und ich würde sagen, dass heute bei der prägnanten Tonabfolge, wahrscheinlich der Großteil der Menschen an letzteres denken würde. Wurde also "Alles neu macht der Mai" irgendwann bekannter als "Hänschen klein"? Oder habe ich eine große Bildungslücke?
Tatsächlich war laut Volksliedarchiv.de "Alles neu macht der Mai" im preußischen Schulunterricht fest verankert und Teil des Lehrplans der zweiten Klasse von 1912. Otfried Preußler (geboren 1923) scheint das Frühlingslied als allgemein bekannt eingestuft zu haben, auch noch als er Räuber Hotzenplotz 1962 veröffentlichte. Die Assoziationen zur Melodie scheinen seitdem gewechselt zu haben. Höcht interessant. Denn alte Kinderlieder gehören ja zur klassischen mündlichen Geschichte, die schwer nachzuzeichnen ist. In aktuellen Kinderliedbüchern wie "Kinderlieder aus den guten, alten Zeiten" oder "Unsere Kinderlieder" ist stets "Hänschen klein" im Verzeichnis gelistet. Vielleicht müssen wir hier mal eine deutschlandweite Studie durchführen, in welchen Regionen und Jahrgängen "Hänschen klein" das Mai-Lied abgelöst hat, damit wir final ein Schleifchen drum binden können. Und hier kommt ihr ins Spiel! Das klären wir jetzt. Macht mit bei der großen Umfrage zur Klärung dieses Sachverhalts! Sagt uns, mit welchem Text ihr die Melodie kennt, wie alt ihr seid und woher ihr kommt.
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Die zweite Frage, die noch zu klären bleibt, ist: Gibt es denn nun eine solche klingende Kaffeemühle? Im Buch heißt es bereits, dass Kasperl und Seppl diese Mühle eigens für die liebe Großmutter gebastelt haben. Doch seit 1962 ist einiges an Zeit vergangen und man hätte diese geniale Idee in die Tat umsetzen können. Tatsächlich hat es das musikalische Mühlmeisterstück aber nie aus dem Kinderbuch in die Realität geschafft. Selbst das deutsche Kaffeemühlenmuseum in Wiernsheim im Schwarzwald hat keine singende Mühle in seinen zehn Ausstellungsräumen. Deutsches Erfindertum hasst Dinge, die einfach nur Spaß machen. Auf der Seite eines Kaffeemühlensammlers konnte ich zumindest eine Pfeffermühle finden, die mit einer Spieluhr kombiniert wurde. Sie kommt der Hotzenplotzschen Kaffeemühle am nächsten. Ansonsten gibt es lediglich Spieluhren in Form von Kaffeemühlen oder Mühlen, die eine Spieluhr verbaut haben, die aber separat aufgezogen werden muss.
Die alte, hübsche Kaffeemühle der Großmutter, die gleichzeitig eine liebliche Melodie spielt, während der Kaffee gemahlen wird, scheint ob ihrer Rarität also tatsächlich die Straftat wert zu sein.
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Das war's für heute. Rosie war bei Stella Donnelly und der Herr vor ihr ist genau beim Song "Old Man" gegangen (nur zur Bar). Melanie hat angefangen, jeden Tag 100x am Stück zu hüpfen. Wegen Fitness, aber vor allem, damit sie sich auf energetischen Konzerten nach zwei Lieder nicht wie eine alte Frau vorkommt.
Nächsten Mittwoch hören wir uns im Podcast. Die nächste Mail-Ausgabe ZWISCHEN ZWEI UND VIER kommt am 22. April. Hast du dich gut unterhalten gefühlt, was gelernt oder neue Musik entdeckt? Schmeiß was in unsere Paypal-Kaffeekasse oder:
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